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06.03.2013 - Automobil Revue Volvo V70: Die Kraft der Erneuerung
Sechserpack Volvo erneuert auf einen Schlag fast seine ganze Palette. Das Facelift für S60, XC60, V60, V70, XC70 und S80 beschränkt sich auf Details, doch die Schweden beweisen, dass die Liebe zu den Kleinigkeiten den Unterschied ausmacht.
Volvo baut den S80 seit 2006 quasi unverändert. In einem Alter, in dem andere Marken dann den Nachfolger vorstellen, erhält der buchstäblich alte Schwede jetzt ein Facelift. Und es ist nicht so, dass er tiefschürfend überarbeitet wird, es ist mehr Kosmetik, neue Lampen rundum, ein geänderter Kühlergrill, darunter ein zweiter Grill, wie ihn auch der VW Passat hat, und innen wurde der S80 auch aufgeräumt. Volvo meint, die eher konservative Kundschaft des S80 wolle gar keine grossen Veränderungen, und dann wundert man sich vielleicht ein wenig, weshalb die Armaturen des flotten, frischen V40 Platz gefunden haben in der stattlichen Limousine, diese Spielwiese, die auf Wunsch des Fahrers ihre Farbe wechseln kann zwischen Grau (Elegance), Rot (Performance) und Grün (Eco). Neu ist auch noch, dass das Dashboard auf Wunsch in Leder eingefasst bestellt werden kann, dass, ebenfalls optional, 19-Zöller im Angebot stehen – und dass der Kunde jetzt die Qual der Wahl hat zwischen drei verschiedenen Chassisauslegungen, Comfort, Sport und Four-C (Continuously Controlled Chassis Comfort). Mit dem D2-Motor, dem schwächsten, 115 PS leistenden Diesel, soll der S80 jetzt nur noch 4,1 L Treibstoff verbrennen auf 100 Kilometern. Haben wir etwas vergessen? Ja, die jetzt auch beheizbare Frontscheibe. Und das beheizbare Lenkrad. Weiterhin nur für den chinesischen Markt gebaut, wird der S80 mit langem Radstand; der soll sich ebendort, nach etwas lauem Anlauf, zu einem Bestseller entwickelt haben.
V70/XC70. Was für den S80 gilt, das gilt auch für den V70/XC70. Neue Lampen, neuer Grill, verbesserter Innenraum. Bei den beiden Kombis gibt es zudem eine neue Rücksitzbank, die sich im Verhältnis 40:20:40 abklappen lässt. Der Kofferraum wächst leicht auf 575 L, das maximale Ladevolumen beträgt jetzt 1600 L. Und der XC70 erhält einige neue Plastikanbauteile, die seinen Offroad-Charakter noch etwas intensiver unterstreichen sollen. Den V70 gibt es übrigens seit 2007 quasi unverändert.
60er-Reihe. Eher in der Mitte ihres Lebenszyklus befinden sich die Modelle S60 (gebaut seit 2010), V60 (ebenfalls 2010) und XC60 (na ja, bereits seit 2008 auf dem Markt). Auch für diese drei Modelle gilt: Aussen wurde etwas geglättet, es gibt neue Lampen vorne und hinten, eine sanft geänderte Frontgestaltung, 19-Zöller (auf Wunsch) und sogar 20er (für den XC60), die Scheibenwischer verschwinden jetzt komplett unter der Fronthaube. Innen wurden diese drei Modelle (die noch auf der Plattform des «alten» Ford Mondeo basieren) ebenfalls den Vorgaben aus dem V40 angepasst, und das sieht gut aus, schön aufgeräumt, skandinavisch, also ohne unnötigen Firlefanz. Im V60 gibt es ebenfalls die 40:20:40- Rücksitzbank, und was für den V60 gilt, das gilt auch für den V60 Plug-in-Hybrid, der unterdessen ganz normal vom Band läuft und in allen Farben bestellt werden kann, die es auch sonst im Volvo-Programm gibt.
Für alle Volvo-Modelle, also auch für den V40 und den XC90, kommt in Zukunft ein neues Connectivity-Programm, das das Internet ins Automobil einbindet. Spannend ist das Internet-basierte Navi, dazu gibt es auch gleich noch einen Reiseführer. Die ganze Geschichte ist auf Android aufgebaut, doch auch Windows soll in Zukunft funktionieren, nicht aber Apple. Die Schweden trauen sich, selbst einen App Store aufzubauen, alle Applikationen auf ihre Volvo-Tauglichkeit zu überprüfen und dann, eventuell mit gewissen Anpassungen, anzupreisen. Ob der User das nutzt oder sich zu sehr bevormundet fühlt, wird sich zeigen. Für Apple-Nutzer, etwa iPhone-Besitzer, dürfte «Senus Connected Touch» schwierig werden, auch wenn dessen Preis – ca. 1600 Euro inkl. Navi – sehr interessant erscheint.
Alles auf einmal. Die Umstellungen auf die sechs überarbeiteten Modelle finden in der Kalenderwoche 20 statt. Dann werden die Bänder für einen Tag angehalten, alle Neuerungen eingeführt und einen Tag darauf soll alles wieder laufen. Das ist mutig, betrifft es doch immerhin 70 % der Gesamtproduktion von Volvo. In der Schweiz verkauften die Schweden etwas weniger als im Rekordjahr 2011, das aber vorrangig wegen Lieferengpässen im Dezember. Insgesamt hat Volvo im abgelaufenen Jahr 420 000 Fahrzeuge abgesetzt, 6 % weniger als noch 2011. Ob das der Grund gewesen ist, dass es zu einem Führungswechsel kam in Göteborg, von Ex-VW-Mann Stephan Jacoby zu Ex-MAN-Mann Hakan Samuelsson, wollen die Schweden nicht kommentieren. Sicher ist aber, dass die Zusammenarbeit mit den chinesischen Besitzern Zhejiang Geely Holding vertieft werden soll, gerade wurde eine Kooperation für den Bau von Fahrzeugen im C-Segment (etwa V40) vereinbart.
XC90 kommt 2014 neu. Nicht angefasst haben die Schweden den XC90 (gebaut seit 2002, zuletzt überarbeitet 2006). Der grosse SUV wird 2014 einen komplett neu entwickelten Nachfolger erhalten, das erste Volvo-Modell auf der «scalable product architecture» (SPA), die das gesamte Volvo-Programm revolutionieren soll. Doch das ist eine ganz andere Geschichte, die dann auch noch erzählt sein will.
PETER RUCH

