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28.02.2014 - Automobil Revue Automobil Revue

Turbofrühling in Maranello

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Neuauflage. Mit dem California T startet Ferrari nun ebenfalls ins Turbozeitalter. Das Coupé-Cabriolet wird damit nicht nur wesentlich kräftiger, sondern auch verbrauchsgünstiger.



Nun also doch. Was in der Formel 1 in der neuen Saison wieder das Mass aller Dinge ist, kommt erstmals seit dem F 40 der Jahre 1987 bis 1992 auch wieder in einem Serienmodell von Ferrari zum Einsatz: die Turboaufladung.

Lange wollten die Motorenentwickler in Maranello nichts wissen von Turbomotoren. Sportlichstes Ansprechverhalten stand für ihre Triebwerke ganz oben auf der Prioritätenliste. Weil aber für eine grosse Leistungsausbeute ein grosser Luftdurchsatz unumgänglich ist, sind für Saugmotoren extrem hohe Drehzahlen unvermeidlich. Das alles ist zwar gut für die Performance eines Sportwagens, aber schlecht für den Treibstoffverbrauch und damit für die CO2-Emissionen.

Direkteinspritzer Deshalb sitzt im California T, den Ferrari am Genfer Autosalon als Weltpremiere vorstellt, knapp hinter der Vorderachse ein neuer 3,9-L-V8-Biturbomotor mit Direkteinspritzung. Mit einer Maximalleistung von 412 kW (560 PS) bei 7500/min und einem Höchstdrehmoment von 755 Nm bei 4750/min übertrifft der neue Voll-Alu-Motor den bisherigen 4,3-L-Saug-V8 um 51 kW (70 PS) respektive 250 Nm.

Trotzdem schafft er den Normzyklus mit 250 g/km, was einem 100-km-Verbrauch von 10,5 L und einer Verbesserung von rund 20 % gegenüber dem Vorgänger entspricht. Technisch ist das California-Aggregat verwandt mit dem ebenfalls in Maranello gebauten 3,8-L-V8-Turbo des Maserati Quattroporte; wie nahe, bleibt noch abzuklären.

Die Twinscroll-Turbolader stammen von Zulieferer IHI und sollen laut Hersteller so abgestimmt sein, dass einerseits kein Turboloch spürbar ist und andererseits der Drehmomentaufbau angenehm regelmässig verläuft. Dem zweiten Problem des Turbomotors, dem grundsätzlich eher unattraktiven Sound, begegneten die Ferrari-Techniker mit intensiver Detailarbeit an den Einlass- und Auslasssystemen. Ausserdem kommt im neuen Motor wieder die flache Kurbelwelle zum Einsatz, die für eine ganz eigenständige Soundnuance sorgt.

3,6 sekunden Das Motormoment gelangt über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe von Getrag und ein Sport-Differenzial an die Hinterräder. Unterstützt wird das fulminante Beschleunigungsvermögen durch die Trak­tionsregelung F1 Trac. Den Spurt von 0 auf 100 km/h erledigt der California T in 3,6 s, und Schluss mit Beschleunigen ist erst bei 316 km/h. Die 1625 kg Leergewicht sind im Verhältnis 47:53 auf Vorder- und Hinterachse verteilt.

Auf einer Strecke von 34  m bringt die von Brembo stammende Karbon-Keramik-Bremsanlage das Fahrzeug aus 100 km/h zum Stehen. Optimierungen sind laut Hersteller auch beim Ansprechverhalten der Lenkung und der adaptiven Dämpfer eingeflossen.

Neues Kleid Der California T kommt zwar mit den gleichen Proportionen daher wie das bisherige Modell, doch wurden die meisten Karosserieteile neu gezeichnet. Auch im Interieur sind zahlreiche Modifikationen vorgenommen worden. Bewährtes aber wird im neuen Modell beibehalten: Wie der bisherige California lässt sich das «T-Modell» in 14 s vom Coupé zum Cabrio­let verwandeln.

Man darf gespannt sein, wie überzeugend dem Saugmotorverfechter Ferrari der Wiedereinstieg ins Turbozeitalter gelungen ist. Der Zeitpunkt der Markteinführung sowie die Preise stehen noch nicht fest. 

 

Stephan Hauri