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09.02.2014 - Automobil Revue Automobil Revue

Sparen beim Verbrauch, nicht beim Platz

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Änderungen an Kühlergrill und Scheinwerfern allein machen die neue V-Klasse nicht aus. Unter der Haube wird kräftig Diesel gespart. Fotos: Werk
Änderungen an Kühlergrill und Scheinwerfern allein machen die neue V-Klasse nicht aus. Unter der Haube wird kräftig Diesel gespart. Fotos: Werk

Noch mehr als der Vorgänger Viano will die neue V-Klasse Grossraum­limousine sein. Dem CO2-Sparzwang fällt der V6-Diesel zum Opfer.



Wer am Stand von Mercedes-Benz am Automobilsalon in Genf den Viano sucht, wird dies vergeblich tun. Denn dort feiert dessen Nachfolger Premiere, der erstmals seit zehn Jahren wieder V-Klasse heisst. Dabei ist der Name Programm, das Fahrzeug rückt in den Augen seiner Macher noch mehr zur Sparte Personenwagen, die Mercedes nicht mit Kunst­namen schmückt, sondern in Klassen durchbuchstabiert.

Bei dieser Positionierung – endgültig weg vom Transporter, hin zur Grossraum­limousine – soll sich am Hauptargument, dem grosszügigen Platzangebot, nichts ändern. Platz sei schliesslich, so befand Daimler-Chef Dieter Zetsche, der wahre Luxus.

 

Eckig bleibt eckig Das Platzangebot ergibt sich in erster Linie aus der Form; auch die V-Klasse bleibt ein «Kastenwagen», wiewohl ein möglichst elegant gezeichneter. Zum Facelift tragen die modernen Scheinwerfer bei, wahlweise in Voll-LED-Technik (und Scheinwerfer-Automatik), oder die stärker gewölbte Motorhaube.

Einiges getan hat sich unter ebendieser Haube. Der 2,1-L-Turbodiesel wurde für die V-Klasse erheblich überarbeitet und auf reduzierten Verbrauch getrimmt. Die drei Versionen mit 136, 163 oder 190 PS liegen im Verbrauch nahe beieinander und tief, mit Normangaben von 5,7 bis 6,1 L/100 km und CO2-Werten zwischen 149 und 159 g/km.

 

Ohne Sechszylinder Unter dem Spardiktat hat es vorläufig keinen Platz mehr für den 3-L-CDI. Der kultivierte V6 konsumierte im Normverbrauch fast ein Drittel mehr als der neue V 250. Anderseits bringt es der Vierzylinder mit zweistufiger Aufladung auf die gleichen Drehmoment- und Leistungswerte wie der V6. Dabei soll er für die Fahrgäste sogar weniger zu hören sein als sein Vorgänger. Und er unterbietet, als einziger der drei Motorenvarianten, dank Abgasnachbehandlung SCR (im Benz-Speak: Bluetec) die Emissionswerte von Euro 6.

Bei starkem Kundenwunsch sei ein Comeback des V6 aber nicht ausgeschlossen, hiess es an der Vorstellung in München, und ein Hybrid sei sowieso ein Thema.

Der Verbrauchsmeister ist die mittlere Motorisierung V 220 CDI (siehe Tabelle), der sich sowohl als 6-Gang-Handschalter oder 7-Gang-Automatik mit 149 g CO2/km begnügt. Eine mitentscheidende Komponente für Flottenkunden, die sich heute meist auf eine Kohlendioxid-Obergrenze festlegen. Ebenfalls erfreulich für gute Rechner: Die Serviceintervalle betragen statt 25 000 nun 40 000 km.

 

Drei Zielgruppen Flottenkunden, vorab für Shuttle-Dienste und Taxiunternehmen, sind eine von drei angepeilten Zielgruppen, aktive Zeitgenossen wie Kite-Surfer mit Platzbedarf für ihre Sportgeräte eine zweite, Familien mit Kindern die dritte.

Vorweg zwei Aspekte machen aus der V-Klasse, die weiterhin auf der selben Architektur wie der Transporter Vito basiert, in den Augen der Verantwortlichen zur Limousine: die Innenraumgestaltung und das breite Angebot an Assistenzsystemen. Im Fah­rerbereich wurden Elemente wie das Zentraldisplay (7 oder 8,4 Zoll), das Touchpad zu dessen Bedienung oder die vereinfachte Sitzeinstellung über Schalter in den Türen aus der C-Klasse übernommen. Die Vordersitze sind optional aktiv belüftet und drehbar, der Leerraum dazwischen erlaubt weiterhin einen guten Durchstieg nach hinten. Neu ist für Fahrer und Beifahrer eine 4-Wege-Lordosenstütze erhältlich. In Reihe zwei und drei sind vier Einzelsitze vorgesehen. Mit einer oder zwei 3er-Sitzbänken wird die V-Klasse aber auch zum 7- oder 8-Sitzer.

 

Gegen Seitenwind Zehn Assistenzsysteme sind für die V-Klasse verfügbar, zwei davon gehören zur Grundausstattung. Ein Aufmerksamkeitsassistent und als Novum in dieser Fahrzeugklasse ein System, das den Einfluss von Seitenwind – Grossraumlimousinen bieten viel Angriffsfläche – durch Bremseingriffe kompensiert. Für sehr empfehlenswert hält Dietmar Munz, verantwortlich für die Assistenzsysteme, den optionalen Kollisionswarner und -verhinderer. Schliesslich sei laut einer Studie die Ablenkung durch Kinder bis zu zwölfmal höher als durchs ­Telefonieren.

 

Bitte einparken Auf die Grösse des Fahrzeugs zugeschnitten ist zudem der Park­assistent, der mit seinen Ultraschall-Sensoren Parklücken ausmisst und auch gerne selbsttätig einparkt – der Fahrer muss lediglich den Rückwärtsgang einlegen und ein wenig Gas geben.

Die neue V-Klasse fährt im Juni bei den Mercedes-Händlern auf. Die Schweizer Preise sind noch offen, für Deutschland wurde ein Einstiegspreis von 42 900 Euro genannt, was etwa 2500 über jenem des Viano liegt. Bis Ende Jahr muss sich gedulden, wer Allradantrieb wünscht. Daniel Riesen