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07.03.2014 - Automobil Revue Automobil Revue

Scharfkantige Generation drei

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Original. Der Audi TT war bei seinem Erscheinen 1998 bereits ein Klassiker. Die dritte Generation will an alte Tugenden anknüpfen – allerdings mit etwas aggressiven Mitteln.



Als 1995 die Studie des Audi TT auf der IAA Frankfurt gezeigt wurde, waren sich Besucher und Journalisten sofort einig: Dieser kleine Sportwagen auf VW-Golf-Basis musste in Serie gehen. Das tat er dann 1998 auch. Augenfälligste Weiterentwicklung beim Produktionsauto war ein zweites Seitenfenster hinter der Türe, ansonsten war die Studie weitestgehend erhalten geblieben, 1999 folgte der TT Roadster. Beide Versionen waren sehr puristisch und eigenständig und setzten sich gekonnt von den etablierten Audi-Modellen ab – ohne als Fremdkörper zu wirken.

Bei der zweiten Generation ab 2006 wurden zwar die wesentlichen Elemente übernommen, aber gleichzeitig musste sich der Entwurf – hauptsächlich beim Gesicht – stärker der Audi-Formsprache unterwerfen. Die nach hinten ansteigende, elegante Lichtkante im unteren Drittel der Karosserie war eine Abkehr von den horizontalen Ur-Formen. Auch die Dimensionen wuchsen, die Länge nahm um 16 cm, die Breite um 7 cm zu. Nur die Höhe blieb mit 135 cm unverändert. Das führte zu einem durchaus hübschen Fahrzeug, das aber an Originalität und «Knuddelfaktor» stark eingebüsst hatte.

Knackiger Generation drei soll in Genf die alten TT-Fans wieder glücklich machen. Die Aussenmasse sind gleich wie bei der zweiten Auflage, denn Einschränkungen beim Platzangebot will man den Kunden offenbar nicht zumuten. Aber die Formgestaltung orientiert sich wieder stärker am Original der 90er-Jahre, ohne dieses zu kopieren. Das geschieht durch kleine, aber äusserst wirksame Kunstgriffe. Beispielsweise ist der Schweller wieder horizontal und sehr tief angesetzt und erzeugt so eine hohe, ruhige Seitenwand. Die seitlichen Endungen der Scheinwerfer und Heckleuchten enden stumpfer, die Seitenscheibengrafik wird hinten leicht gekappt und ist optisch kürzer. Das gilt auch für die Überhänge, die vom rund 3,5 cm längeren Radstand profitieren. Insgesamt wirkt der neue TT gedrungener als der filigrane Vorläufer.

Aggressiver Die Front hat sich allerdings, wenn auch Audi-typisch, stark in Richtung Aggressivität entwickelt – ein Attribut, das dem Ur-TT mit seinen gros­sen «Augen» und den eher rundlichen Formen ganz fremd war. Das liegt am «zugekniffenen» Blick und dem sehr kantigen Singleframe-Grill, der sich beim TTS auf unseren Fotos dank höherem Chromanteil noch mehr aufdrängt. Die vier Ringe sind wie beim R8 auf der Haube angesiedelt. Die grossen und kantigen unteren Lufteinlässe, die beim Ur-TT noch kleine Schlitze waren, tragen ebenfalls zu einem recht dominanten Gesicht bei. Silhouette und Heck bleiben somit die Schokoladenseiten des neuen TT.

Leichter Audi hat sich den Leichtbau auf die Fahne geschrieben. Schon der Vorgänger nutzte eine Audi-Space-Frame-Karosserie (ASF) aus Aluminium und Stahl. Beim neuen TT ist dieses Material-Mischbau-Prinzip weiterentwickelt worden. Audi sagt dazu: «Das richtige Material am richtigen Ort in der richtigen Menge für die optimale Funktion.»

Die Bodengruppe ist aus hoch- und höchstfesten Stahllegierungen gefertigt. In strukturell hochbeanspruchten Bereichen der Passagierzelle sind formgehärtete Stahlplatinen im Einsatz; sie machen 17 Prozent des Karosseriegewichts aus. Als Seitenschweller und Dachrahmen dienen Strangpressprofile aus Aluminium. Die Karosserie ist mit Ausnahme der Kunststoffstossfänger ebenfalls komplett aus Aluminium gefertigt. Dadurch konnte das Fahrzeuggewicht wie schon beim Vorgänger erneut gesenkt werden. Audi spricht von einem Leergewicht von 1230 kg beim 2.0 TFSI mit Frontantrieb.

Sparsamer Audi bietet drei Vierzylindermotoren mit Turboaufladung und Direkteinspritzung an. Der 2.0 TDI mit Handschaltung und Vorderradantrieb leistet 135 kW (184 PS) und hat ein Drehmoment von 380 Nm. Der (noch provisorische) Normverbrauch soll nur 4,2 L/100 km betragen, was einem CO2-Ausstoss von 110 g/km entspricht.

Der 2.0 TFSI ist in zwei Varianten verfügbar. Der TT spurtet mit seinen 169 kW (230 PS) mit Quattro-Antrieb und Doppelkupplungsgetriebe in 5,3 s auf 100 km/h. Der handgeschaltete Fronttriebler schafft es in 6 s. Der allradgetriebene TTS hat 228 kW (310 PS) und schafft den Sprint in 4,7 s.

Innovativer Im Interieur dominiert das sogenannte «Audi Virtual Cockpit»: die Zusammenfassung von Kombiinstrument und MMI-Screen zur zentralen, ­digitalen Einheit mit 12,3 Zoll grossem, dynamisch animiertem TFT-Monitor. ­Darüber hinaus befindet sich die Klimaanlagenbedienung direkt in den runden Lüftungsdüsen, die stark an Flugzeugturbinen erinnern.

Die Sportsitze haben integrierte Kopfstützen, sind tiefer montiert und leichter als im Vorgängermodell. Die optionalen S-Sitze bieten pneumatische Wangen. Die Menüstruktur des MMI-Terminals auf der Mittelkonsole orientiert sich am Smartphone und kann dank Touchpad die persönliche Handschrift lesen. Neu sind zwei Multifunktionslenkräder, über die je nach Ausführung fast alle wichtigen Funktionen angesteuert werden können. Mittels Sprach-Dialog-System geht das auch mit gesprochenen Befehlen.

Es versteht sich von selber, dass viele dieser innovativen Cockpit-Features aufpreispflichtig sind. Das gilt auch für eine Vielzahl von Sicherheits- und Komfortfeatures sowie Assistenzsystemen, mit denen sich der passende TT oder TTS individuell in Richtung puristisch, sportlich oder luxuriös zusammenstellen lässt. (SF)