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28.02.2014 - Automobil Revue Automobil Revue

Richtung Mainstream

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2. Zweier BMW erweitert die 2er-Modellreihe mit einem vollständig neuen Einvolumen-Fünfsitzer.



Als letzter konsequenter Vertreter der Hinterradantriebsfraktion unter den Komplettanbietern bringt jetzt auch BMW in der Kompaktwagenklasse ein Modell mit Frontantrieb. Nach dem vor kurzem lancierten Coupé ist der Active Tourer das zweite Modell der 2er-Baureihe. Mit ihm besetzen die Bayern ein neues Segment und beweisen damit, dass sie hinsichtlich Modellstrategie durchaus unternehmungslustig sind.

Vorderradantrieb Schon mit der Entwicklung und Lancierung der Elektroautos i3 und i8 unternahm BMW einen mutigen Schritt in neue Gefilde. Ähnliches spielt sich nun in der Kompaktwagenklasse ab. Dort, wo die Konkurrenz der Grossserienhersteller am grössten ist, platzieren die Weiss-Blauen jetzt ein Modell mit völlig neuem Antriebskonzept sowie einer ganz neuen modularen Motorenreihe und neuen Getrieben.

Der Active Tourer ist ein 4,34 m langer Fünftürer mit fünf Sitzen und einem variablen Laderaum. Beim Raumangebot im Innern zeigt sich dann schon der erste Vorteil des Vorderradantriebskonzepts: Die Front-Quer-Antriebsgruppe benötigt weniger Platz gegen hinten, und der vergleichsweise lange Radstand von 267 cm sowie die erhöhte Dachlinie sorgen für grosszügige Platzverhältnisse für Personen und Gepäck. Der Laderaum mit doppeltem Boden kann durch Umklappen der im Verhältnis 40:20:40 geteilten Rücksitzlehne nach Bedarf vergrössert werden. Ist auch die Beifahrersitzlehne umgelegt, finden bis zu 2,4 m lange Gegenstände Platz. Zudem sorgen Verzurr­ösen und Haken für sichere Transporte. Die Heckklappe lässt auf Wunsch auch elektrisch betätigen – per Knopfdruck oder durch Gestensteuerung.

Für Familie und Freizeit Das Modell dürfte also für Familie und Freizeit ebenso geeignet sein, wie es wohl auch ältere Kunden ansprechen wird, die im Trend ihres persönlichen Modelldownsizings von einer grossen Premiumlimousine auf ein handlicheres Fahrzeug mit leicht erhöhter Sitzposition umsteigen wollen. Von aussen erkennt man den 2er Active Tourer trotz ganz neuer Karosserieform sofort als BMW. Die Niere, die Scheinwerferform, der Hofmeisterknick und auch die Heckansicht wirken sehr vertraut. Zudem fällt der für einen Fronttriebler sehr kleine vordere Überhang auf. Sportliche Ambitionen meldet der Neuling also schon rein durch seinen optischen Auftritt an.

Auf Komfort muss nicht verzichtet werden, sind doch die meisten in höheren Fahrzeugklassen angebotenen Ausstattungsmerkmale serienmässig oder als Option auch im kompakten Tourer verfügbar. Neben der Basisausführung gibt es als weitere Ausstattungslinien die Sport Line und die Luxury Line; zudem kann der Tourer ab November auch mit einem M-Sport- und M-Aerodynamikpaket aufgewertet werden.

Neue Antriebsgruppen Die Umstellung auf Vorderradantrieb bedingt neue Antriebsgruppen, weil Motor und Getriebe ja quer zur Fahrtrichtung installiert sind. Beim Schweizer Marktstart im Herbst werden drei Motorvarianten verfügbar sein. Die neuen langhubigen Benziner, die mit Turboaufladung, Direkteinspritzung und variabler Nockenwellenverstellung ausgestattet sind, gibt es – mit drei oder vier Zylindern – in den Hubraumvarianten 1,5 und 2,0 L mit Leistungen von 100 und 170 kW (136 und 231 PS). Die gleichen Motoren kommen – mit leicht unterschiedlichen Leistungsdaten – auch im neuen Mini zum Einsatz. Die dritte Motorvariante ist der 2-L-Diesel mit 110  kW (150 PS) Maximalleistung.

Zur Kraftübertragung werden neue 6-Gang-Handschaltgetriebe sowie eine 6- und eine 8-Gang-Automatik eingesetzt. Etwas später folgen die Modelle 220i sowie 216d und 220d. Ausserdem werden einige Benzin- und Dieselversionen auch mit Allradantrieb erhältlich sein.

Mit einer neuen Eingelenk-Federbeinachse und einer ebenfalls neu konzipierten Mehrlenker-Hinterachse soll es gelungen sein, dem Fronttriebler zu einem agilen Eigenlenkverhalten zu verhelfen und die Lenkung von Antriebseinflüssen weitgehend zu befreien. Mit dem M-Sportfahrwerk liegt der Active Tourer 10  mm tiefer und weist eine straffere Feder Dämpfer-Abstimmung auf.

An elektronischen Helfern fehlt es natürlich auch nicht: ESP und elektronische Differenzialsperre für die Fahrdynamik; Tempomat, Spurassistent und Konsorten für Komfort und Sicherheit.

 

Stephan Hauri