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03.03.2011 - Automobil Revue
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Retro-Moderne

Zehn Jahre nach der coolen Microbus-Studie zeigt VW einen neuen Bulli. Er ist kleiner denn je – und geht wohl auch in Serie. matthias pfannmüllerKultautos sind Autos, die Generationen überdauern. Und entsprechend schwierig ist es, sie zu ersetzen. Denn mit Stilzitaten allein ist es heute nicht mehr getan: Zu sehr haben sich die Sicherheits- und Umweltanforderungen seit dem 1950 präsentierten VW-Transporter T1 verändert, dessen Urform der Hersteller als ersten Van der Welt verstanden wissen will. Folglich waren ganz andere Zutaten gefragt.

Jetzt hat VW die Legende nach eigenen Worten «quasi neu erfunden» und «katapultiert sie in die Zukunft» – mit dem 399 cm langen, 175 cm breiten und 170 cm hohen E-Bulli. Der wird rein elektrisch angetrieben, bewegt sich also emissionsfrei und ist nicht zuletzt deshalb das Highlight des diesjährigen Volkswagen-Auftritts in Genf.

Mehrere Möglichkeiten Anders als beim berühmten Vorbild ist der 85 kW und 270 Nm starke Elektromotor vor der angetriebenen Vorderachse angeordnet. VW spricht von einem kompakten Integralantrieb, weil auch ein Hochleistungs-Pulswechselrichter und der 12-Volt-Bordnetz-DC/DC-Wandler dort untergebracht sind. Die 40 kWh leistende Lithium-Ionen-Batterie sitzt dagegen zwischen den Achsen (Radstand 262 cm, Spurweite v./h. je 150 cm) unterhalb des Kabinenbodens. Volkswagen gibt für das insgesamt 1450 kg schwere Auto sogar schon Fahrleistungen bekannt: Das soll in 11,5 s von null auf Tempo 100 beschleunigen und maximal 140 (abgeregelte) Stundenkilometer schnell sein. Weitaus wichtiger bei einem E-Mobil ist natürlich die Reichweite, und hier verspricht Volkswagen satte 300 km! Zudem soll der E-Bulli an einem Starkstromanschluss in weniger als einer Stunde wieder aufgeladen werden können. Alternativ werden aber auch effiziente Benzin- und Dieselmotoren mit 1,0 und 1,4 L Hubraum ins Gespräch gebracht.

Weniger ist mehr Retro ist der E-Bulli also nur optisch: Als nostalgische Erinnerung an den Urahnen weist er eine Zweifarbenlackierung oder verchromte 18-Zoll-Felgen mit stilisierten Radkappen auf. Und ganz wie beim seligen T1 hat das Team von VW-Markendesignchef Klaus Bischoff ein auf das Wesentlichste reduziertes Cockpit geschaffen: Drehzahlmesser und Gangwahlhebel fehlen gar völlig, weil sie in der E-Variante des Bulli nicht gebraucht werden.

Dafür gibt es eine durchgehende Sitzbank vorne, was den E-Bulli auf zwei Reihen zum (etwas engen) 3+3-Sitzer macht. Zu viert sitzt es sich dagegen komfortabel und hoch; vorne geniesst man beste Über- und Rundumsicht.

Info- und Unterhaltungsfunktionen werden mit dem berührungsempfindlichen, im E-Bulli zentral positionierten und natürlich herausnehmbaren Apple iPad gesteuert. Das ist besonders clever, weil die junge, Lifestyle-orientierte Zielgruppe das ebenso kultige Multimediagerät längst in ihr Leben integriert hat. Besonderer Clou der VW-Apple-Applikation ist ein von Gitarren- und Verstärkerhersteller Fender (ebenfalls Kult) entwickeltes Soundsystem, das Musik besonders natürlich klingen lassen soll.

Eine Serienproduktion des «neuen Bulli» auf Basis des kommenden Kleinwagens Up! ist sehr wahrscheinlich. O-Ton Volkswagen: «Die Studie hat das Potenzial, neben dem Caddy, Touran, Sharan und Multivan eine neue, fünfte Van-Baureihe zu begründen.» Das wäre wirklich toll. Eine Kleinigkeit fehlt uns allerdings noch – hintere Schiebetüren! 

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