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14.02.2014 - Automobil Revue Automobil Revue

Nummer 5 schlägt aus der Art

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SUV oder Crossover? Der Mercedes GLA basiert auf der A-Klasse, läuft aber bei dem schwäbischen Hersteller als fünftes Mitglied der SUV-Modellreihen.



Jeder kennt das, wenn die Verwandtschaft ein wenig weiter verzweigt ist. Wenn hinterher die Fotos von Tante Mariannes Geburtstag angeschaut werden, geht das Rätselraten los: Zu welchem Zweig der Familie gehört der eigentlich?

Ein wenig so ist das auch beim neuen Mercedes GLA. Rein genetisch gehört er zur A-Klasse. Auf der technischen Basis des Kompaktklasse­modells baut er auf und ist das vierte Kompaktmodell von Mercedes – mit dem Shooting Brake genannten A-Klasse-Kombi wird diese Reihe in absehbarer Zeit noch vervollständigt.

Gleichzeitig gehört der GLA auch zur SUV- und Geländewagenfamilie von Mercedes. Die besteht bislang aus G-Klasse, GL, ML und GLK – und wird nun ergänzt durch den GLA. Wobei der GLA deutlich aus der Reihe tanzt. Er ist eher Crossover als SUV – aber diesen Begriff mag man in Untertürkheim wohl nicht.

Sport Schon anhand der Fahrzeugabmessungen wird klar, wo der GLA spielt: Mit ­einer Höhe von 149 cm ist er sichtlich flacher als die Hauptkonkurrenten BMW X1 (5 cm) oder gar Audi Q3 (10 cm). Nur der Volvo V40 Cross Country duckt sich noch eine Spur (3 cm) niedriger.

Der GLA ist also sportlich unterwegs – bietet gleichzeitig aber eine Spur mehr Komfort als die normale A-Klasse: mehr Kopffreiheit, etwas beque­merer Einstieg, deutlich grös­serer Kofferraum (420 zu 345 dm3). Der lässt sich überdies noch um 60 dm3 ver­grössern, wenn die hinteren Passagiere ein wenig unbequemer sitzen und die Sitzlehnen um 15° steiler gestellt werden. Klappt man die Sitze ganz um, wächst der Kofferraum auf 1235 dm3.

Das Revier des GLA ist die Strasse, SUV-Feeling weniger angesagt. Was aber nicht heisst, dass der GLA keine ­Geländefähigkeiten hat. Im Gegenteil. Wer öfter über schlechte Strassen zur Berghütte muss, kann den Wagen mit Offroad-Paket bestellen. Mit modifiziertem Fahrwerk wächst die Bodenfreiheit um 5 cm auf 18,5 cm. Bei ersten Ausfahrten im Süden Spaniens bewältigt der GLA so auch dicke Schlaglöcher, Anstiege und Verschränkungen. Dabei hilft ein spezielles Fahrprogramm, das alle 4matic-Fahrzeuge an Bord haben. Es passt Gaskennlinie und Getriebesteuerung an und bietet mit DSR (Downhill Speed Regulation) auch eine Bergabfahrhilfe, die eine über den Tempomaten eingestellte Geschwindigkeit automatisch durch gezielte Bremseingriffe einhält. Ausserdem werden auf dem Bordbildschirm Daten wie Neigungs- oder Lenkwinkel angezeigt.

Motoren Zum Marktstart im März nach dem Salon in Genf bietet Mercedes den GLA in vier Leistungsstufen an: Die beiden Diesel leisten 136 und 170 PS, die beiden Benziner 156 und 211 PS. Das Einstiegsmodell GLA 200 wird nur mit Vorderradantrieb und Handschaltung angeboten, beim 200 CDI haben die Käufer die Wahl zwischen manuellem und Automatikgetriebe (siehe Tabelle). Wer sich für den Allradantrieb entscheidet, hat automatisch auch immer die Doppelkupplung (7G-DCT) an Bord. Dieses in Zusammenarbeit mit der Sport-Tochter AMG entwickelte 4x4-System bietet eine vollkommen variable Verteilung der Antriebsmomente zwischen Vorder- und Hinterachse. Dabei ist der Nebenantrieb zum Hinterachsgetriebe in das 7G-DCT integriert.

Als meistverkauftes Modell in der Schweiz wird der GLA 250 4matic erwartet. Der 2-L-Turbo macht einen ausgesprochen agilen Eindruck und besticht durch sein Drehmoment, das mit den beiden Selbstzündern mithält, aber knapp über Leerlaufdrehzahl anliegt. Ebenfalls gute Resonanz erwartet Mercedes für das Top-Modell der Baureihe, das ab Mitte März bestellt werden kann und im Juli bei den Händlern steht: Der GLA 45 AMG bringt 360 PS auf die Strasse und liegt beim Spurt von null auf 100 km/h nur zwei Zehntel hinter der gleichstarken A-Klasse. Dazu gibt es ein souveränes Fahrwerk und einen sportlichen Sound aus dem Klappenauspuff – den Tick mehr Komfort nimmt man zusätzlich noch gerne in Kauf.

Klaus Justen