Die Kleinwagenklasse erhält Zuwachs. Nissan bringt Ende Monat mit dem Cube einen eigenwillig gestylten und zugleich sehr geräumigen Wagen auf die Strassen. Seine Geschichte begann ganz unspektakulär im Jahr 1998, als Nissan die erste Generation des Cube lancierte, bieder und ideenlos. Der Mikrovan konnte kaum ein leichtes Rascheln im Blätterwald verursachen.
Das änderte sich radikal im Jahr 2002. Die zweite Generation schlug ein wie ein gewaltiger Blitz, die Japaner rissen sich um den Kubus auf Rädern, und der Wagen heimste auf dem Heimmarkt manchen Design- und Innovationspreis ein. Auch das Ausland begann Interesse zu zeigen, aber die verhältnismässig teuren Investitionen, die einen «Auslandseinsatz» überhaupt erst möglich gemacht hätten, schreckten die Verantwortlichen ab. Der Rest der Welt wurde auf die dritte Cube-Generation vertröstet.
Bildersprache Nach über 900000 verkauften Fahrzeugen war es im Herbst 2008 dann so weit. In Los Angeles wurde der neue, der internationale Cube enthüllt. Sein Schachteldesign bleibt erhalten, die charakteristische asymmetrische Heckgestaltung, mit auf einer Seite um den C-Pfosten gezogenen Heckscheibe, ebenfalls.
Da der Wagen ausserhalb von Japan aber eigentlich ein Unbekannter ist, verwendet Nissan für die Umschreibung der Designideen viele Bilder: In der Frontgestaltung und in den Radhausausbuchtungen sei eine Bulldogge zu erkennen. Für die Heckformkurven wollen sich die Designer an den Rundungen von Jennifer Lopez inspiriert haben. Die sich kreisrund ausbreitenden Wellen eines Wassertropfens sind in Elementen wie den Becherhaltern zu erkennen. Und das geräumige Interieur möchte in seiner Gesamtheit an ein gemütliches Jacuzzi-Becken (Whirlpool) erinnern.
Fakten Ob so blumiger Bildersprache wenden wir uns den Fakten zu. Der Cube basiert auf der neuen B-Plattform, die auch beim in Kürze anrollenden Kompakt-SUV Juke (vgl. Seite 2) eingesetzt werden wird. Sie besitzt vorne Federbeine mit unteren Dreieckquerlenkern, hinten eine Torsionskurbelachse.
Zum Generationenwechsel ist der Cube in der Länge um 25 cm auf 398 cm angewachsen, der Radstand nahm um 17 cm auf 253 cm zu.
In Europa kommt der Wagen erst 14 Monate nach dem Verkaufsstart in Japan auf den Markt. Diese Zeit wurde genutzt, um den Wagen den Fahrgepflogenheiten und Dynamikansprüchen der Europäer anzupassen; namentlich das Handling und die Karosseriesteifigkeit standen im Mittelpunkt.
Operation gelungen! Diesen Eindruck haben wir auf ersten Probefahrten gewonnen. Dank breiter Spur und verhältnismässig langem Radstand sitzt der Wagen satt auf der Strasse. Er federt ausgewogen und vermittelt ein aktives und doch sicheres Fahrverhalten.
Viel Platz Über vier konventionelle Seitentüren gelangt man auf die fünf Sitze, der Kofferraum erschliesst sich über eine seitlich angeschlagene Hecktüre. Letztere ist bei Rechtsverkehr (Europa, USA) links angeschlagen, bei Linksverkehr (GB, NZ, Japan) rechts. Entsprechend wird das Heckfenster stets auf Trottoirseite um den C-Pfosten herumgezogen, was beim Parkieren und und Manövrieren von Vorteil ist.
Trotz kompakter Aussenmasse fühlt man sich im Innern kaum eingeengt. Die Box-Form mit steil stehender Frontscheibe und praktisch senkrechten Seitenfenstern generiert ein luftiges Raumgefühl. Die Fondsitzbank lässt sich um 24 cm in der Länge verschieben, aber nur die Lehnen können auch umgeklappt werden. Je nach Position der Bank misst das Kofferraumvolumen von 260 bis 410 dm3.
Während in Japan ein 1,5-Liter-Benzinmotor und in den USA ein 1,8-Liter-Benziner zum Einsatz kommen, bietet Nissan die Europa-Versionen mit je einem Benzin- und einem Dieseltriebwerk an (vgl. Tabelle). Beide zeigen sich unbeeindruckt vom Cube, bringen die rollende Box spritzig in Fahrt. Die präzise Lenkung mit guter Rückmeldung unterstützt das Gefühl der Wendigkeit. Eine Elektroversion wird es nicht geben, denn die kommenden E-Mobile werden bei Nissan auf speziellen neuen Plattformen aufgebaut sein.
Gut gerüstet Sechs Airbags, serienmässiges ESP und Scheibenbremsen rundum (vorn belüftet) geben ein komplettes Sicherheitspaket ab. Die Ausstattung ist umfangreich und umfasst bereits im Basispreis Tempomat, manuelle Klimaanlage, Radio/ CD, Bluetooth-Freisprech, höhenverstellbaren Fahrersitz und das grosse, aber fest stehende Glasdach mit zwei Abdeckrollos. Drei Optionenpakete sind erhältlich: «Zen» umfasst u.a. Klimaautomatik, Regensensor und Start-Taste (Fr. 1150.–). «Iki» bietet 16-Zoll-Alufelgen und getönte Scheiben (Fr. 950.–), und «Kaado» bietet Navigation mit Rückfahrkamera. Allerdings kann lediglich das Zen-Paket alleine geordert werden, Iki gibts nur zusammen mit Zen, Kaado nur zusammen mit Zen und Iki.
Verkaufsstart des in Japan produzierten Wagens ist Ende Monat. Nissan Schweiz rechnet mit 400 bis 500 Cube im 2010, er ist kein Massenprodukt. Wichtigster Motor wird voraussichtlich mit 70%-Anteil der 1.6-Benziner mit 5-Gang-Getriebe sein. Den Rest teilen sich Automatikversion und Diesel je hälftig.





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