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07.03.2014 - Automobil Revue Automobil Revue

Honda Civic Type R Concept: «Das WTCC-Auto in deiner Garage»

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Mit dem Civic Type R kehrt Honda im kommenden Jahr turbogeladen ins Segment der sportlichsten Kompaktautos zurück. In Genf ist die Vorstufe der seit langer Zeit erwarteten Neuauflage als Concept Car zu sehen.



Wer gegen Ende der 1990er-Jahre von Achttausendern sprach, lag mit dem Tipp auf Honda-Motoren ebenso richtig wie mit dem Verweis auf Himalaya-Gipfel. Der Honda Civic Type R der ersten Generation war mit 1,6-L-Vierzylinder-Saugmotor ausgestattet, der seine Maximalleistung von 136 kW (185 PS) erst bei 8200/min erreichte und auch mit dem Höchstdrehmoment von 160 Nm nicht vor 7500/min aufwartete. Auf der Strasse bedeutete dies: Der Type R des Baujahrs 1997 war 235  km/h schnell und beschleunigte in 6,8 s von 0 auf 100 km/h. Es folgten zwei weitere Generationen des drehfreudigen Kraftpakets (siehe Kasten).

Doch im Jahr 2010 wurde es windstill rund um die Achttausender. Der japanische Autohersteller zog sich, gebeutelt von der Wirtschaftskrise, aus der Formel 1 zurück und wollte sich auf dem Personenwagenmarkt in erster Linie den «grünen» Modellen zuwenden, weshalb die Autos mit den «bösen» hochdrehenden Motoren beim Hersteller in Ungnade fielen. Trotzdem wartet die einschlägige Kundschaft seit dem Verschwinden der dritten Generation sehnlichst auf einen Nachfolger des kompakten Kraftbolzens.

Geduld ist gefragt Aber Honda spannt die Ungeduldigen gehörig auf die Folter: Im Herbst 2012 wurde beim Autosalon in Paris die erste Studie eines neuen Type R gezeigt; dann folgten diverse weitere Entwicklungsschritte – ganz ähnlich, wie es parallel dazu auch mit dem NSX vorwärtsgeht. Im Genfer Palexpo wird nun die aktuelle Studie gezeigt, die so oder in ganz ähnlicher Gestalt im kommenden Jahr als Serienmodell auf die Strasse kommen wird.

Masaru Hasegawa, der 44-jährige Projektleiter Aussendesign für die neue Civic-Studie, erklärt, dass der gezeigte Type R Concept und der bereits auf der Rennpiste erprobte Type-R-Prototyp in den kommendem Monaten zu einem Serienauto verschmelzt werden.

Rennwagenoptik Mit dem Type R verabschiedet sich Honda jedenfalls vom braven, aber auch vom allzu futuristischen Design. Abenteuerlich geformt ist die neue Studie aber an jeder Ecke. Hasegawa scheut sich auch nicht, von aggressivem Design zu sprechen. Das Auto soll sich optisch deutlich abheben von den Wettbewerbern, soll Emotionen wecken, denn für den Kunden sei es «das WTCC-Auto in seiner Garage». An eine bestimmte Altersgruppe denkt er dabei jedoch nicht: «Das Auto ist interessant für alle, denen sportliches Fahren Freude bereitet.»

Beim Rundgang ums Auto im Turiner Studio weist der Designer auf die zusätzlichen Lufteinlassöffnungen in der Motorhaube, auf den grossen Kühlergrill, den speziellen Frontspoiler und die seitlichen Aerodynamikelemente sowie die Belüftungsschlitze in den Radhäusern hin. Nichts sei Show, alles funktional.

Farblich ist der speziell für die europäische Kundschaft konzipierte Type R Concept sehr kontrastreich gehalten. Die Karosseriebleche und die Brembo-Bremssättel in Knallrot, die 20-Zoll-Leichtmetallräder, die Schweller, die Aus­senspiegel und die Türgriffe in Schwarz. Den Hinterwagen beherrscht der fast schon monströse Heckspoiler – im üblichen Grau des Hightech-Materials Karbon und mit integrierten Heckleuchten. Jedenfalls drängt sich beim Anblick dieser Aerodynamikhilfe eine Neudefinition des Wortes Geweih auf.

Keilform In der Seitenansicht gefallen die ausgewogenen Proportionen des keilförmigen Karosseriekörpers, der lange Radstand, die elegant geschwungene untere Fensterlinie und die prägnanten Muskelkanten über den Radhäusern. Trotz Rennsportambitionen ist der Type R aber ein Fünftürer – mit dem Hintertürenlook, der schon den 1996er Alfa 156 als Zweitürer erscheinen liess.

Technische Daten des neuen Civic Type R sind vorerst nur bruchstückhaft zu erhalten. Der 2-L-Benzinmotor sei jetzt nicht mehr ein extrem hochdrehender Sauger, sondern ein Turbotriebwerk, dessen Maximalleistung «über 280 PS» betrage. Angesichts der einschlägigen Konkurrenzmodelle könnte dies wohl auch bedeuten, dass Honda die 300-PS-Marke überschreiten wird. Und beim Höchstdrehmoment darf man wahrscheinlich mit 400  Nm rechnen. Einen cW-Wert kann Hasegawa ebenfalls noch nicht nennen, denn schliesslich ist das Auto ja auch noch nicht serienbereit.

Ob die Weltpremiere im kommenden Jahr wieder in Genf stattfinden wird, sei noch nicht geklärt, sagt der im Werk im englischen Swindon tätige Honda-Designer. Dass 2015 aber ein betont sportliches Jahr für den japanischen Hersteller wird, belegt auch die Rückkehr in die Formel 1 mit Motoren für McLaren. Und wer weiss: Vielleicht wird neben dem NSX ja auch der S 2000 neu aufgelegt. (SH)