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14.02.2014 - Automobil Revue Automobil Revue

Ein grünes Pflänzchen, das sticht

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Der kompakte Crossover von Citroën sitzt etwas höher über der Fahrbahn, ohne sich Allüren zu geben. Seine Trümpfe: sympathisches, einfaches Auftreten und Sparsamkeit. Zehn Karosserie-Farben lassen sich mit vier Varianten der schützenden «Airbumps» kombinieren.



Seine Premiere feierte der C4 Cactus eben auf dem Flughafen von Le Bourget, seinen grossen Auftritt wird er auf dem Genfer Salon haben. Verkaufsstart für die Schweiz ist dann im Juni. Der Auftritt des Crossover ist höchst sachlich, dabei bietet er viele durchdachte Lösungen im Interieur. «Der Cactus zeigt die neue Positionierung der Marke Citroën», sagt Firmenchef Frédéric Banzet. Im Klartext heisst das, dass die C-Modelle vielleicht weniger exklusiv, doch nicht weniger selbstsicher auftreten dürfen als die Premium-Modelle der DS-Reihe.

Hingucker Der Cactus fällt auf. Er ist ein Vertreter der boomenden SUV-Welle, ohne aber bestehende Konkurrenten zu imitieren. Wie beim C4 Picasso, ist auch beim Cactus das Tagfahrlicht so hoch verbaut, dass es über den Leitplanken der Autobahn sichtbar bleibt. Weitere auffällige Stilelemente sind die kufenförmigen Gepäckträgerleisten oder die «Airbumps», die Schutzkissen, die an Turnschuhsohlen erinnern. Sie bestehen aus weichem Kunststoff in mehreren Farbtönen und ersetzen die herkömmlichen Türleisten. Schwarze A- bis D-Säulen verleihen dem Dach seinen schwebenden Look.

Wie ein Sofa Die Designer folgten der Maxime, dass sich ein Citroën von jeglichen Konkurrenzmodellen absetzen, vor allem aber mehr Komfort bieten muss. Beim Cactus erreichen sie das mit einem lichten, höchst einladenden Interieur. Die klare Gliederung der Innenelemente zeigt, dass es nicht «immer mehr», sondern «immer besser» sein soll. Um so ­lobenswerter, dass die Preise volksnah ­gehalten werden können, soll das Basismodell doch weniger als 20 000 Franken kosten.

Das Prinzip der angestrebten Einfachheit zeigt sich etwa in den simplen, schlanken Sitzen, den auf ein Minimum reduzierten Bedienungselementen und dem Mittelbildschirm à la C4 Picasso. Selbst Heizung und Klimaanlage werden über den Touchscreen bedient.

Der Designverantwortliche, Alexandre Malval, ist überzeugt, dass heute die meisten Käufer mit der digitalen Bedienung und den virtuellen Anzeigen – Tempo und Drehzahl werden auf einem kleineren Bildschirm vor dem Lenkrad angezeigt – vertraut sind. Die Rückmeldung von den Besitzern des C4 Picasso sei eindeutig. Die Bildschirme eröffnen den Entwicklern zudem neue Dimensionen, was die Modellpflege und periodische Updates anbelangt.

Der Beifahrerairbag ist im Cactus über der Windschutzscheibe verbaut, um Platz für die «Top box» zu schaffen, ein riesiges Handschuhfach, dessen Abdeckung einem noblen Schiffskoffer ähnelt. Ungewohnt auch die Vordersitze, die den Eindruck einer durchgehenden Dreiersitzbank vermitteln. Der Schein trügt, die Sitze sind nur für Fahrer und Beifahrer ausgelegt. Aber der optische Trick, dass man auf einem Sofa Platz nimmt, trifft ins Schwarze und suggeriert Wohnlichkeit. Die äusserst weiche Polsterung der gefahrenen Vorserienmodelle erinnert nostalgische Fans an CX oder GS.

Der Getriebewählhebel ist ein Drehknopf mit den Positionen D, R und N und lässt an ein grosses Spielzeug denken. Er steuert das robotisierte Schaltgetriebe mit 6 Stufen, das mit den Benziner- wie auch mit den Dieselmotoren kombiniert wird. Für sportliches Fahren sind Schalthebel am Lenkrad vorhanden.

Leichtbau Die Hecksitzbank ist ebenfalls komfortabel gepolstert, und trotz grossem Panoramadach bleibt genügend Kopffreiheit für alle Insassen. Das stark getönte Glasdach ermöglicht das Weglassen einer Jalousie, was genauso der Gewichtsersparnis dient wie die verklebten dritten Seitenfenster. Anstatt Citroën Kritik für einen Low-cost-Ansatz einzubringen, tragen diese Massnahmen zum vorbildlichen Leichtbau bei, mit dem die 1000-kg-Marke unterschritten werden kann. Ein Cactus-Grundmodell kommt auf ein Leergewicht von nur 965 kg.

Das ist um so erstaunlicher, als der C4 Cactus nicht auf der jüngsten Architektur von PSA basiert, sondern auf der verlängerten PF1-Plattform des C3, mit hier 260 cm Radstand, 416 cm Länge und 173 cm Breite. Die Ingenieure haben eben aus Gewichtsgründen auf die jüngste EMP2-Plattform (C4 Picasso, Peugeot 308) verzichtet. Die Gewichtsersparnis des Cactus gegenüber einer C4-Limousine beträgt 200 kg, bei Verwendung der Efficient Modular Plateform wäre sie nur halb so gross ausgefallen.

Der neue Crossover deckt nun die beiden Segmente B und C ab und konkurriert entsprechend nicht nur mit Renault Captur oder Fiat 500L Trekking, sondern auch mit den grösseren Dacia Duster und Skoda Yeti.

Bewährtes Chassis Mit McPherson-Federbeinen vorn und Torsionsstangenachse hinten wird der C4 Cactus nur als Fronttriebler angeboten. Für Allroad-Fähigkeiten bekommt er eine intelligente Traktionskontrolle verpasst. Weil kein hinteres Differenzial Platzansprüche stellt, gibt es ein vernünftig dimensioniertes Gepäckabteil mit 358 dm3 Volumen und ein vollwertiges Ersatzrad. Das entspricht der unteren Mittelklasse.

Mit einer einteilig umlegbaren Hecksitzbanklehne ist die Variabilität der Ladefläche etwas eingeschränkt. Die leichte Heckklappe kann mit einer Rückfahrkamera versehen werden. Andere verfügbare Assistenzsysteme umfassen selbständiges Parkieren, Berganfahrhilfe oder die eTouch-Dienstleistung mit Notfallbenachrichtigung und Standortmeldung.

Jüngste Motorengeneration Der Fokus der Entwickler auf Energieeffizienz und Schadstoffreduktion widerspiegelt sich im Motorenangebot: Anfänglich kommt das weniger leistungsfähige Duo mit 1.6 e-HDI Turbodiesel und 90 PS sowie dem 3-Zylinder-Benziner 1.2 VTi der EB-Baureihe mit 82 PS zum Zug. Ab September kann auch die aufgeladene Variante des Benziners geordert werden, ob mit 110 oder 130 PS, ist noch offen. Das Drehmomentmaximum von 205 Nm gibt’s bereits ab 1750/min.

Ab 2015 soll ein 1.6 Blue HDI Selbstzünder mit 100 PS und SCR-Säuberung durch Harnstoffeinspritzung verfügbar sein. Die interessante Hybrid-Air-Technologie mit Energierekuperation/-speicherung durch komprimierte Luft dürfte dem C4 Cactus in Zukunft ebenfalls zur Verfügung stehen.

Kakteen braucht man nicht zu gies­sen, und auch der Treibstofftank des C4 Cactus kann längere Nachfüllpausen vertragen. Für den Benziner 1.2 VTi gibt Ci­troën einen Mischverbrauch von 4,5 L/100 km (104 g/km CO2) an, der 1.6 HDi gibt sich gar mit 3,2 L/100 km zufrieden, entsprechend einer CO2-Bilanz von nur 82 g/km. Selbst die Scheibenwaschflüssigkeit wird sparsam dispensiert, dank den im Scheibenwischerarm integrierten Smart-Wash-Düsen. Wirtschaftlich gibt sich der Cactus zudem im Unterhalt. Ci­troën verspricht einen um 10 % tieferen Ansatz als bei vergleichbaren Limousinen.

EROBERUNGSZUG Der C4 Cactus ista priori für die europäischen Märkte kon­zipiert und wird im Werk Madrid produ­ziert. PSA erhofft sich mit ihm eine (Wie­der-)Eroberung der Marktanteile, die zu­letzt in Europa verloren gegangen sind. Citroën hatte dabei das Glück, in China zu wachsen, was 2013 zum globalen knap­pen Plus beigetragen hatte (1 266 000 Ver­käufe, entsprechend +0,1 % gegenüber dem Vorjahr.

Raphaël Leuba