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28.02.2014 - Automobil Revue Automobil Revue

Diese Zahl sagt alles

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Der 650 S ist noch nicht der kommende kleine McLaren P13, sondern «nur» eine Zusatzentwicklung aus dem 12C, die darüber angesiedelt ist. Der P13 ist auf 2015 angekündigt. Fotos: Werk
Der 650 S ist noch nicht der kommende kleine McLaren P13, sondern «nur» eine Zusatzentwicklung aus dem 12C, die darüber angesiedelt ist. Der P13 ist auf 2015 angekündigt. Fotos: Werk

Dritte Reihe In Genf erhalten 12C und P1 der britischen Sportwagenschmiede McLaren Zuwachs. Der 650 S ist eine gehobene Ableitung des 12C, sein Name die Leistungsangabe in Pferdestärken.



Einen neuen McLaren sieht die Welt nicht alle Tage. Selbst wenn es sich dabei «nur» um eine Weiterentwicklung aus einem bestehenden Modell handelt, dürfen sich die Briten der Aufmerksamkeit der Autowelt gewiss sein. Sollten sie auch, denn im McLaren 650 S sind rund ein Viertel aller Bauteile neu. Genug, um diesem Wagen einen neuen Fahrcharakter zu verpassen. Der 650 S wird wie der 12C als Coupé und als Spider lanciert werden. Doch der Reihe nach.

Viel gelernt «Wir haben seit der Lancierung des 12C produktionstechnisch viel gelernt, die Wünsche unserer Kunden gehört und mit dem P1 letztes Jahr einen weiteren Schritt nach vorne gemacht», erklärt der leitende Ingenieur Carlo Della Casa. Optisch nähert sich das neue Fahrzeug vor allem im frontalen Bereich dem Supersportwagen P1, es besitzt ebenfalls LED-Scheinwerfer und einen neu gezeichneten Spoiler, der nicht nur dem guten Aussehen zuträglich sein soll, sondern bei höheren Tempi den Anpressdruck vorne um bis zu 40 % verbessert. Dazu kommen grössere Lufteinlässe vorne und seitlich vor der Hinterachse. Mit ihnen wird das Luft- und Kühlmanagement verbessert.

Von hinten ist der 650 S kaum vom 12C zu unterscheiden. Doch der Spoiler, der als Airbrake (Luftbremse) fungiert, hat erweiterte Funktionen erhalten, wobei ein Techniktransfer aus der Formel 1 stattfand. Bislang schnellte die Airbrake nur bei starkem Verzögern aus hohen Tempi nach oben. Neu beeinflusst der Spoiler die Aerodynamik aktiv, er sorgt also nicht nur beim Bremsen für erhöhte Downforce, sondern etwa beim Überfahren einer Kuppe oder bei schneller Kurvenfahrt.

Weitere Massnahmen betreffen die Federraten (23 % steifer) und die Lager der Teleskopdämpfer. Dazu kommen speziell von Pirelli auf den 650 S abgestimmte P Zero Corsa. Dank deren konnte auch das ESP von Bosch besser auf den Wagen zugeschnitten werden. Zudem lässt das ESP jetzt mehr Drifts zu, greift im Modus Track später ein und ermöglicht nach einem Eingriff einen rascheren Drehmomentaufbau.

Für die Leistungs- und Drehmomentssteigerung um 18 kW auf 650 PS und von 78 auf 678 Nm begnügte sich McLaren nicht auf eine blosse Ladedruckerhöhung. Eine neue Kurbelwelle, ein neuer Zylinderkopf und veränderte Ventilzeiten sind zusammen mit dem neuen Auspuff für die Mehrleistung und den kernigeren Sound verantwortlich.

Zylinderspiel Schnelle Gangwechsel waren bei der Überarbeitung des Doppelkupplungsgetriebes (7 Gänge) vordringlich. Bei den Schaltvorgängen übernimmt die Motorsteuerung die Führungsrolle und regelt die Drehzahlanpassung. Das ermöglicht im Normalbetrieb ein sanfteres und trotzdem rascheres Hoch- und Runterschalten, bei engagierter Fahrweise raschere Wechsel.

Der 12C gehört zu den akustisch diskreten Sportwagen. Im 650 S – S steht übrigens für Sport – greifen die Briten zu einem Kniff, der dem Gangwechsel im Modus Sport zu einer knackigen Note verhilft. Diese wird durch kurzzeitiges Deaktivieren von zwei Zylindern erreicht, was einen spezifischen sportlichen Klang hervorruft.

Im Modus Track, bei Drehzahlen von mehr als 5000/min und mindestens zu 60 % gedrücktem Gaspedal setzt der V8 beim Hochschalten einen Drehmomentüberschuss ab, der beim Einkuppeln für zusätzlichen Boost sorgt. Ein sehr dynamisierendes Erlebnis. Alles in allem wurde so die bereits sehr geschätzte Fahrdynamik des 12C um eine weitere Stufe nach oben gedreht.

Das 650 S Coupé beschleunigt in 3,0  s von 0 auf 100 km/h und damit um einen Zehntel schneller als der 12C. Trotzdem soll der neue McLaren nach EU-Norm mit 11,6 L/100 km einen Deziliter sparsamer sein. Topspeed bleibt bei unveränderten 333 km/h.

Edler Das jüngste Derivat aus dem britischen Woking wird allerdings nicht nur den unbarmherzigen Pistentreibern zusagen, sondern zugleich seine Alltagstauglichkeit und den Langstreckenkomfort behalten. So wurde die Ausstattung verbessert und etwas edler gestaltet. Zudem sind nun im Basispreis Keramikbremsen bereits enthalten. Dazu kommen erstmals DAB-Radio, die Navigation und eine Rückfahrkamera.

McLaren baut 12C, 650 S und P1 in den gleichen Räumlichkeiten in Woking. Man geht davon aus, dass der 650 S den 12C nur in einigen Märkten verdrängen dürfte. Und man rechnet mit einem ähnlich hohen Spider-Anteil von 80 % wie beim 12C. Gesamthaft plant McLaren im laufenden Jahr vom 12C und 650 S gemeinsam 1300 Exemplare anzufertigen. Die Preise für die Schweiz standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest, die 650 S dürften aber um rund 30 000  Franken teurer werden als 12C und 12C Spider, also ab Fr. 300 000.– kosten.

Für 2015 hat McLaren bereits ein weiteres Modell angekündigt. Das Einsteigermodell P13 soll mit rund £ 120 000 knapp halb so teuer werden wie der 650 S.

 

Martin Schatzmann