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    26.02.2013 - Automobil Revue
    Bentley Flying Spur

    In Genf zeigt Bentley die zweite Generation des Flying Spur. Er wird mehr als eigene Modelllinie ausgelegt, um besser auf die starke Nachfrage im Luxussegment eingehen zu können.

    Vor einem Jahr war der Salon Genf für Bentley der Enthüllungsort der viel diskutierten SUV-Studie EXP  9  F, dieses Jahr zeigen die Briten den Nachfolger des seit 2005 gebauten Flying Spur. Die viertürige Limousine basiert auf dem Continental GT mit W12-Motor und stellte sich zuletzt als das verkaufsstärkste Modell heraus. Letzteres nicht zuletzt wegen der aufstrebenden Märkte wie China, wo Chauffeur-Limousinen von höchster Bedeutung sind.

    «Für die Neuauflage haben wir den Flying Spur stärker als eigenständige Modell­linie konzipiert, um mit ihm noch besser auf die hohe Nachfrage im Segment der Luxuslimousinen reagieren zu können», erklärt Bentley-CEO Wolfgang Schreiber. Diese Absicht wird auch im Design ersichtlich. Es trägt zwar die heute typischen Continental-Elemente wie die steile Front mit unterschiedlich grossen Doppelscheinwerfern, erhält aber durch einen breiteren Kühler und eine durchgehende Luftöffnung unter dem Stossfänger mehr optische Breite und sorgt damit für einen wuchtigeren Auftritt.

    Keine Ornamente. Die Silhouette wurde speziell im hinteren Bereich dem Mulsanne angeglichen, mit flies­senderem Übergang von Dach über Heckscheibe zum Kofferraumdeckel. Typisch für Bentley-Hecks ist das sogenannte Hufeisenelement, das bislang dem Kofferraumdeckel einen geschwungenen Abschluss gab. Neu wird das Element auf die ganze Wagenbreite ausgedehnt, sodass das gesamte Heck von diesem Bogen umschlossen wird.

    «Neue Produktionsmöglichkeiten erleichtern die Umsetzung neuer Formen», erklärt Design-Chef Luc Donckerwolke. Geprägt ist das Design von scharfen Kanten und konvexen wie konkaven Flächen. «Der Wagen hat keine Ornamente und keine überflüssigen Linien», erklärt Donckerwolke. Die neue Schärfe in den Linien geht unter anderem auf das sogenannte Superforming-Verfahren zurück, das Bentley erstmals 2009 beim Mulsanne einsetzte. Namentlich die vorderen Kotflügel werden damit geformt, wobei die Alubleche auf 500 °C erhitzt und mit Luftdruck in Form gepresst werden.

    Donckerwolke, der seit September 2012 das Bentley-Design leitet, bezeichnete sich als Ambassador des neuen Wagens, der bei seinem Stellenantritt bereits technisch wie optisch fertig konstruiert war. «Nichts!», antwortet er auf die Frage, was er denn am neuen Wagen anders gezeichnet hätte. Der Wagen stelle eine perfekte Synthese zwischen Eleganz und Athletismus dar.

    Materialwahl. Eine komplett neue Fahrzeugstruktur, ein moderner Materialmix, neue Fahrwerkskomponenten und -abstimmung sowie ein modernisierter Antriebsstrang prägen die zweite Generation Flying Spur. Aluminium für Motorhaube und vordere Kotflügel, Verbundwerkstoff für Kofferraumdeckel und gezielte Überarbeitung der Prozesse sorgen unter anderem für eine höhere Karosseriesteifigkeit, eine höhere Passgenauigkeit – Stichwort: «Spaltmass» – und für verbesserten Komfort. Die komplett überarbeiteten Türelemente beispielsweise bestehen aus weniger Einzelteilen, was der Qualität und der Passgenauigkeit zugutekommt.

    Die Torsionssteifigkeit konnte um 4 % erhöht, das Leergewicht um 50 kg (2 %) gesenkt werden und liegt neu bei 2475 kg.

    Kraftvoll. Eine weitere Massnahme, um sich mehr vom Continental GT abzusetzen, liegt in der Wahl des Antriebsstranges. So kommt nicht die W12-Basismotorisierung mit 575 PS zum Einbau, sondern der im GT erst kürzlich vorgestellte Topmotor des Speed mit 625 PS. Zugleich wird damit die Leistungsspanne zum später im Flying Spur vorgesehenen 4.0-V8 (aktuell 507 PS im GT) vergrössert. «Und wir bieten mit dem 625-PS-Motor die leistungsstärkste, je von uns gebaute Luxuslimousine an», meint Schreiber.

    Dank neuer Motorsteuerung konnte das Ansprechverhalten der beiden Turbolader namentlich im niedrigen Tempobereich optimiert werden. Zugleich ergibt sich mit dem neuen 8-Stufen-Automaten von ZF und allen andern Optimierungsmassnahmen eine Reduktion von Verbrauch und CO2-Ausstoss um 13 %.

    Auch in der neuen Generation werden alle vier Räder angetrieben, wobei die Kraftverteilung im Normalfall 40:60  % (vorn/hinten) beträgt. Je nach Traktionsverhältnissen regelt das System selbstständig den Kraftfluss, maximal 85 % nach hinten oder maximal 65 % nach vorne. Als letzter Bentley verabschiedet sich der Flying Spur von der 6-Stufen-Automatik, wobei die Schaltzeiten des bekannten 8-Stufen-ZF-Automaten im besten Fall unter 200 ms liegen.

    Die Limousine spurtet in 4,6  s von 0 auf 100 km/h (bisher 4,8  s), 160 km/h sind nach 9,5  s durcheilt, und die Höchstgeschwindigkeit wird wie bisher bei 322 km/h erreicht. Der Durchschnittsverbrauch wird mit 14,9 L/100 km beziffert, bisher waren es knapp 17 L/100 km.

    Neuer Komfort. Doch Spurten ist nur die eine Stärke, ein Wagen dieses Formats lebt vom gediegenen Komfort. Dieser wird nicht nur mit einem geräumigen, gänzlich neu gestalteten Interieur mit wahlweise vier oder fünf Sitzen geboten, sondern auch durch eine starke Überarbeitung des Fahrwerks. Die elektronischen Dämpfer des Luftfahrwerks regeln im Normalfall weicher, versteifen sich aber bei erhöhtem Tempo und schneller Kurvenfahrt auch stärker als bisher. Damit wird der Federungskomfort erhöht, die Wankneigung aber reduziert. Bei hohen Tempi wird die Karosserie zur Reduktion des Luftwiderstands stufenweise abgesenkt, bei 195 km/h vorne um 5 mm, hinten um 10 mm, bei 240 km/h vorne um zusätzliche 8 mm und hinten um zusätzliche 13 mm, total also vorne um bis zu 13 mm und hinten um bis zu 23 mm.

    Der Wagen rollt standardmässig auf 19-Zoll-Rädern, optional sind auch 20- und 21-Zoll-Räder erhältlich. Bentley liess für den Flying Spur zudem bei Pirelli einen speziellen, auf Komfort getrimmten 19-Zoll-Reifen entwickeln, der unter anderem mit einer 12 % erhöhten Seitenflanke Stösse besser absorbiert.

    Wie im GT wird im Armaturenbrett das Element der Bentley-Flügel umgesetzt, was sich mit den links/rechts stark unterteilten Oberflächengestaltung zeigt. Im Fond können zwei Einzelsitze oder eine Dreierbank gewählt werden, wobei die Mittelkonsole beim Vierplätzer von vorn bis hinten durchgehend ist. Die seitlichen Holzfurniere sind Bentley-typisch spiegelgleich gehalten und bilden einen durchgehenden Holzbogen, der sich durchs Interieur spannt. Eine hochwertige Haptik ist Ehrensache.

    Klang und Ruhe. Teil der Ausstattung ist ein 8-Kanal-Audiosystem, optional kann es durch das noch exquisitere Naim-Premiumsystem ersetzt werden. Dank einer neuartigen Touchscreen-Fernbedienung erhalten jetzt die Fondpassagiere praktisch uneingeschränkten Zugriff auf Audio, Klima, Sitzheizung und Multimediasystem. Zudem bietet Bentley eine Connectivity-Einheit, die mittels WLAN-Hotspot den Wagen in ein rollendes Büro verwandelt. Diese Einheit umfasst u.  a. einen SIM-Kartenleser, eine 64-GB-Festplatte, zwei 10-Zoll-

    Bildschirme im Fond und ebenfalls zwei Multimediaplayer. Um die Arbeit unterwegs möglichst nicht durch Aussengeräusche zu stören, ist der Unterboden des Fahrzeugs mit ei­nem Akustik-Dämmelement verkleidet und die Fenster zusätzlich gedämmt. Zudem baut Bentley im neuen Flying Spur grössere Endschalldämpfer ein, wel­che das Geräusch der Auspuffanlage um 12 dB absenken (bei 3000/min) und so namentlich den Komfort für die Fondpas­sagiere verbessert. Der Flying Spur kommt diesen Früh­ling auf den Markt, Bentley hat ihn preis­lich aufs Niveau des heutigen Modells gestellt, nämlich bei 271 300 Franken.

    Martin Schatzmann

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